Emotionen

Emotionen

So wie ich zur Zeit jeden Tag stundenlang auf´s Meer zu schauen, das führt eher nicht zu disziplinierter geistiger Arbeit, es  gibt aber viel Raum für Selbstreflexion. In dieser Stimmung habe ich meine vor 6 Jahren geschriebenen Tankas noch einmal angeschaut – mit dem Ergebnis, sie jetzt hier vorzustellen.

Eigene Gedichte zu kommentieren ist uncool, zur Form Tanka nur so viel für alle, die es nicht selbst bei Wikipedia nachlesen wollen: Tankas sind eine Gedichtform aus dem höfischen Japan. Sie sind die Ausgangsform der seither viel populäreren Haikus. Ein Haiku – dreizeilig mit der Silbenfolge 5-7-5 – bildet den ersten Teil eines Tanka; beim Tanka folgen dann noch zwei siebenzeilige Zeilen. Er hat also 31 Silben. Während Haikus ursprünglich Stimmungen in  definierten Augenblicke von Jahreszeiten beschreiben, dienten Tankas zur Darstellung einer moralischen Sentenz.

Es hat mich gereizt, dieses Prinzip auf Emotionen anzuwenden. Hier ist das Ergebnis:

Schmerz fühle ich wo?
Im Kopf, im Kiefer, im Bauch,
auch in den Knien.
Erinnert, eingebildet
Fühle ich ihn am schärfsten.

Wut wächst so schnell und
Reckt sich empor, kampflüstern:
Zeit ist zu handeln!
Halt ein! Wohl dem, der zögert,
mit Blut  sein Recht zu  malen!

Lust – immer siegreich!
Jeder beugt sich dir gerne.
Dein Ziel setzt du selbst.
Das Tal der Not und der Gier
Überfliegst du laut lachend.

Freude, Heiterkeit
Des Erkennens und auch der
Rätsel und Fragen.
Stille des Gemüts wie ein
Im Wind gekräuselter Teich.

Angst lauert immer.
Bereit zum Ausbruch, atem-
Beraubende Last.
Flüsternde Stimmen, höhnisch:
Wer euch das Maul stopft ist stark!

Die Illusion der
Unsterblichkeit leitet uns
sanft bis zum Ende.
Warum Aufwachen? Für Wen?
Sinnlose Mühe und Qual!

Trauer, mit nassen
 Flügeln klebst du am Boden.
Blick ohne Hoffnung.
Langsam schlägt das Herz und nichts
Heilendes lässt du wachsen.

Ich weiß, das alles ist unzureichend, unvollkommenes Stückwerk. Was will man machen? Schauen wir dem Autor beim Dichten in Pantelleria zu:

 Und er knallte das Glas mit jahrzehntealtem Whisky
Auf jahrhundertealte Kacheln,
weil er auch diesmal
jahrtausendealte Fragen
nicht lösen konnte.


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