Metallene Zäune markieren die Grenze,
Rolltore, Kameras, ein Wendehammer,
darauf Container , randvoll mit Schrott,
und ein frischer Duft nach Beize und Öl.
Die Hände am Lenker, die Augen im Wind
durcheile ich Kurven, Kulissen, Prospekte,
kein Fachwerk, kein Kirchturm begeistern mich so,
Wie Gebäude mit eigenem Umspannwerk!
Nicht alles ist neu, die Krananlagen,
macht´ man Heut´ anders, die Lagerhalle
hat einen Energiepass nie gesehn!
Schau hier dampfen: modernste Kälteanlagen !
Refraktionskolonnen: voll Ehrfurcht
bestaun´ ich dies menschengemachte
Wunder aus Ventilen, Rohren, Hähnen –
hier dient wirklich die Form dem Inhalt!
Wie elegant dieser Trakt für Büros, erbaut nach 2000 !
davor berauschende Installationen aus Schrott für die Schmelze.
Unsichtbar, doch aufdringlich spürbar: Formaldehyd –
Befreit die Atemwege! Es weckt und klärt deinen Geist!
Und Grün – jede Menge! Geißblatt, Buddleia ,
Brombeeren und Winden verschlungen zum Netzwerk,
vereinzelt verstärkt durch Birke und Ahorn.
Unten am Kanal, am Wasser, wächst der
eifrige Migrant, das drüsige Springkraut,
schwerer duftend als Modder und Diesel.
Eine Ranke umschlingt triumphierend
Und blüht auf gerolltem stachligen Draht.
Warum Kaffee am alten Markt? Einst wurde
Auch dort gehämmert, gefeuert, gestunken.
Mich hält gefangen dies Freiluftlager
für Aluprofile mit eigener Hafenanlage.
Doch: niemand verweilt hier. Unerwünscht
Sind Nicht- Beschäftigte: verzieht euch!
Scheu umgibt diese Stätten der Schöpfung.
bewundernde Blicke gestatten sie
Nur Menschenleer – am Wochenende.
Mein verbotenes Drohnenauge erspäht
Geometrische Muster gelagerter Güter,
die offenbaren – bereit zum Transport –
sonst gern verborgene Zwecke.
Familienbetriebe – hidden champions oder
Schon abhängig von staatlicher Stütze?
Familienbetriebe, aber nirgends ein Spielplatz für Kinder,
wenn doch – nur zum Unwillen grimmiger Gründer!
Bei Firmen mit längerer Tradition
Blicken diese aus verzierten Rahmen
Auf Besucher im Meetingraum 1, an der
Wand daneben archaische Handgewerke
aus Metall, gefräst, gefeilt, gegossen:
Fundament des Erfolgs, das erste Produkt
Aus einer nie vergangenen
mechanischen Ära.
Christoph Schlesinger August 2023
Das industrielle Leben und die industrielle Architektur haben schnell nach ihrer Entstehung Eingang in das Kunstschaffen gefunden, allerdings eher als Schreckensbild, als monströse Gegenwelt, als Hölle. Das fängt mit der Schilderung des Elends der Industriearbeiter an, findet sich in der Beschreibung der Maschinenwelt als kalte, tödliche Bedrohung. Im 20.Jahrhundert begannen Kunstfreunde unter den Industriellen Bilder ihrer Fabriken für repräsentative Zwecke in Auftrag zu geben, die aber oft immer noch eine vom Expressionismus ererbte bedrückende Ausstrahlung hatten. Die Hauptaussage war: die neue Welt ist bedrohlich und menschenfeindlich, Natürlich gab es Gegenbewegungen: Der Futurismus liebte die Eleganz technischer Formen und die rasende Schnelligkeit der neuen Gefährte. Auch die neuere Musik fühlte sich mit ihrer Betonung des Rhythmus der maschinellen Welt oft nahe (zum Beispiel Arthur Honegger mit seiner einer Dampflok gewidmeten Komposition Pacific 231).
Natürlich sind im Lauf der Zeit die technikbegeisterten Künstler immer mehr geworden, aber die Hauptströmung – insbesondere in der Lyrik-bleibt doch: die Inspiration, wie alles Schöne, kommt dem Menschen aus der Natur, während die Arbeitswelt eine Belastung ist, die man möglichst schnell hinter sich lässt, wenn man sich den schönen Seiten des Lebens zuwendet.
Gegen dieses Dilemma hilft wohl nur, unsere technische Zivilisation als Teil unserer natürlichen Umwelt zu verstehen, aus ihr hervorgegangen, mit ihr verwoben, untrennbar auf die Ressourcen von „Mutter“ Natur angewiesen. Aus dieser Haltung ist das obige Gedicht entsprungen; beim Fahrradfahren, wenn man so will einer Zwischenstufe zwischen natürlicher und maschineller Bewegungsart.

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