erneute Begegnung mit ELS
Es sind die Ingeborg Bachmann Tage in Klagenfurt, aber trotzdem will ich in diesen heißen Sommertagen Gedichte von Else Lasker-Schüler vorstellen. Hitze zwischen den Zeilen zu erzeugen, das kann sie wie keine andere, und manchmal verspricht sie auch kühle Linderung.
Öffentliche Liebschaften zwischen Pop-stars oder Film-Heroen sind normal und gehören zur Show. In der sogenannten hohen Literatur nehmen wir sie eher pikiert zur Kenntnis und vermuten – wohl zu recht – den Versuch, Frauen auf den zweiten Platz zu verweisen neben berühmten Männern siehe Bachmann/Frisch, siehe Lasker-Schüler/Benn.
Für mich sind das Privatsachen, aber es gibt einen literarischen Niederschlag, den man auch ohne Ansehen der Person rezipieren kann. Was immer Else Lasker Schüler und Gottfried Benn sich erzählt haben mögen, das Gedicht, in dem sie ihre Enttäuschung über unzureichende Liebesbemühungen ausdrückt, gehört zu meinen Favoriten:
Hinter Bäumen berg ich mich
Bis meine Augen ausgeregnet haben,
und halte sie tief verschlossen,
Dass niemand dein Bild schaut.
Ich schlang meine Arme um dich
Wie Gerank.
Bin doch mit dir verwachsen,
Warum reißt du dich von mir?
Ich schenkte dir die Blüte
Meines Leibes,
Alle meine Schmetterlinge
Scheuchte ich in deinen Garten.
Immer ging ich durch Granaten,
Sah durch dein Blut
Die Welt überall brennen
Vor Liebe.
Nun aber schlage ich mit meiner Stirn
Meine Tempelwände düster.
O du falscher Gaukler,
Du spanntest ein loses Seil.
Wie kalt mir alle Grüße sind,
Mein Herz liegt bloß,
Mein rot Fahrzeug
Pocht grausig.
Bin immer auf See
Und lande nicht mehr.
Wenn sich in mir eine kritische Stimmung breitmacht, dass sich ELS´Gedichte in Gebiete begeben, in denen ich mich nicht gerne aufhalte – dieser Fantasie-Orient zum Beispiel – sagt eine andere Stimme in mir:
„ O du falscher Gaukler – du spanntest ein loses Seil“ – einmal eine solche Zeile finden, wie glücklich würde dich das machen!
Noch ein Gedicht von ELS über die Liebe – ganz ohne Enttäuschung:
Mein Liebeslied
Wie ein heimlicher Brunnen
Murmelt mein Blut,
Immer von dir, immer von mir.
Unter dem taumelnden Mond
Tanzen meine nackten, suchenden Träume,
Nachtwandelnde Kinder,
Leise über düstere Hecken.
O, deine Lippen sind sonnig…
Diese Rauschedüfte deiner Lippen…
Und aus blauen Dolden silberumringt
Lächelst du…du, du.
Immer das schlängelnde Geriesel
Auf meiner Haut
Über die Schultern hinweg –
Ich lausche…
Wie ein heimlicher Brunnen
Murmelt mein Blut.

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